Kapitel 4

4 Impulse aus dem NAP aufnehmen

Der Nationale Aktionsplan für Kinder- und Jugendbeteiligung setzte den Fokus auf eine prozesshafte Ausgestaltung und diente mit seiner Herangehensweise vielfältigen Akteurinnen und Akteuren als eine breite und bundesweite Plattform, um ihre Erfahrungen sowie Vorschläge zur Stärkung von Kinder- und Jugendbeteiligung einzubringen. Der Austausch auf den NAP-Veranstaltungen machte deutlich, was junge Menschen, Fachkräfte und an Beteiligung Interessierte in Deutschland bewegt und wo aus ihrer Sicht Entwicklungsbedarfe bestehen. Der NAP und somit auch die vorliegende Abschlussdokumentation können in diesem Sinne als Ausschnitt einer Bestandsaufnahme der aktuellen Debatten zu Kinder- und Jugendbeteiligung verstanden werden. Dass damit kein Anspruch auf Vollständigkeit oder Repräsentativität erhoben werden kann, versteht sich von selbst. Inhaltlich zeigt sich, dass die Ergebnisse teils Bekanntes bekräftigen oder bestätigen, teils bringen sie neue Vorschläge ein. Dabei reicht die Bandbreite von sehr konkreten Überlegungen bis hin zu eher allgemeinen oder abstrakteren Empfehlungen.

Im Ganzen konnte der NAP von jungen Menschen, deren Interessenvertretungen sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Bund, Ländern und Kommunen eine große Zahl an Impulsen zur Stärkung von Kinder- und Jugendbeteiligung sammeln. In seiner Funktion als Austauschforum schuf der NAP-Prozess so über zwei Jahre hinweg kontinuierlich Öffentlichkeit und Sichtbarkeit für das Thema. Nun sind alle an Kinder- und Jugendbeteiligung Interessierten in Deutschland gefordert, die aus dem NAP-Prozess hervorgegangenen Impulse aufzunehmen und weiterzuverfolgen.

Ungleiche Chancen

Insgesamt dokumentieren die Ergebnisse des NAP die breite Vielfalt der Beteiligungsmöglichkeiten von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. Zugleich lieferten die NAP-Veranstaltungen neben den vielen Vorschlägen, wie Beteiligung an unterschiedlichen Orten und in verschiedenen Räumen gestärkt und verbessert werden kann (siehe dazu Kapitel 2 und 3), auch zahlreiche Hinweise dafür, dass die Chancen auf Beteiligung für junge Menschen sehr ungleich verteilt sind. An manchen Stellen fehlen sie sogar völlig.

Man hat es also mit großen Beteiligungsdiskrepanzen zu tun. Wenn aber die Partizipation von jungen Menschen, wie wiederholt in den NAP Veranstaltungen betont und auch in den Kinder- und Jugendberichten der Bundesregierung und vielen anderen Veröffentlichungen dargestellt, eine wesentliche Voraussetzung für das Erfahren von Selbstwirksamkeit sowie das praktische Erleben und Erlernen von Demokratie ist, dann gilt auch umgekehrt, dass fehlende Beteiligungschancen als Schwächung politischer und demokratischer Bildung und – das darf nicht vergessen werden – als Verletzung kinderrechtlicher Verpflichtungen begriffen werden müssen. Neben allen Anregungen im Detail erscheint dies als der zentrale gesellschaftspolitische Impuls des NAP. Er weist darauf hin, dass alle gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteure gefordert sind, an dieser Stelle Abhilfe zu schaffen und demzufolge die Chancen der Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen systematisch und flächendeckend zu verbessern und zu stärken oder, wo notwendig, auch zu eröffnen.

Darüber hinaus lieferte der NAP eine ganze Fülle von Hinweisen, Ideen und Anregungen, wie Kinder- und Jugendbeteiligung in dem jeweiligen Zusammenhang gestärkt, glaubwürdiger gestaltet und verbessert werden kann. Das Spektrum reichte von unzureichenden Informationen und fehlenden Überblicken über Beteiligungsmöglichkeiten und deren Voraussetzungen bis hin zu den personellen, institutionellen und verfahrenspraktischen Bedingungen für gelingende Beteiligung sowie der Benennung zahlreicher Hürden und der Entwicklung konkreter Vorschläge. Fachpolitisch sind diese vielen Hinweise als Impulse zu verstehen. Es ist absehbar, dass viele dieser Impulse auf breite Zustimmung stoßen werden; andere könnten Irritationen bis Ablehnung auslösen. Es gehört jedoch gleichsam zur Philosophie des NAP als Beteiligungsprozess, dass die Einschätzungen und Vorschläge der Teilnehmenden erst einmal ernst genommen, geprüft und diskutiert werden. Letzten Endes muss man dabei nicht zum gleichen Ergebnis kommen.

Und wie weiter …?

Mit dem NAP-Dialogprozess ist der Weg zu einer wirksamen Umsetzung und Stärkung von Kinder- und Jugendbeteiligung nicht abgeschlossen. Der NAP machte (erneut) zahlreiche Bedarfe zur Stärkung von Kinder- und Jugendbeteiligung sichtbar. Es gilt, diese in Zukunft aufzugreifen, zu diskutieren und umzusetzen. Die wiederholt sichtbar gewordenen Umsetzungsprobleme von Kinder- und Jugendbeteiligung liefern dafür einen vielstimmigen Beleg.

Zunächst werden die Ergebnisse des NAP auf jugendpolitischen Formaten, insbesondere den JugendPolitikTagen 2025 und der BundesJugendKonferenz 2026, mit jungen Menschen beraten sowie allen beteiligten Akteurinnen und Akteuren vorgestellt – auch mit dem Ziel, die nächsten Schritte zu diskutieren. Darüber hinaus gilt es, die jeweiligen Impulse des NAP-Prozesses in allen Räumen des Aufwachsens aufzugreifen und gemeinsam zu prüfen – mithilfe proaktiver, fachpolitischer Unterstützung. Das 2023 gegründete Bundeskompetenzzentrum Kinder- und Jugendbeteiligung, das die Bundesministerien sowie die nachgeordneten Behörden bei Fragen der Kinder- und Jugendbeteiligung berät, ist dafür ein wichtiger Schritt auf Bundesebene. Weitere Ansätze in allen gesellschaftlichen Bereichen und auf allen föderalen Ebenen müssen folgen.

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