Adultismus – Warum jung sein kein Kinderspiel ist

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Titelbild Blogbeitrag mit der Überschrift: "Was ist Adultismus?"

Diese Woche habe ich mich mit dem Thema Adultismus beschäftigt und recherchiert, wie und wo Adultismus unseren Alltag prägt, was gängige Vorurteile gegen junge Menschen sind und vor allem, was wir dagegen tun können.

Was ist Adultismus?

Adultismus bezeichnet die systematische Diskriminierung von jungen Menschen aufgrund ihres Alters und die damit verbundenen Vorurteile gegen junge Menschen. Adultismus beschreibt also das ungleiche Machtverhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern bzw. Jugendlichen. Diese Diskriminierungsform ist leider keine Erfindung der Neuzeit, Adultismus gibt es bereits seit der Antike. Personen wie Aristoteles haben sich schon damals über „die Jugend“ aufgeregt. Aristoteles selbst sagte: „Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen“. Klingt ziemlich ähnlich zu den Aussagen über die heutige Jugend, oder? 

Adultismus ist also ein Problem, das es schon lange gibt und das deshalb auch fest in unseren gesellschaftlichen und politischen Strukturen, wie beispielsweise Gesetzen und Traditionen verankert ist. Genau wie andere systematische Diskriminierungsformen wird auch Adultismus durch diese aufrecht erhalten.

Außerdem ist Adultismus die einzige Diskriminierungsform, die wahrscheinlich alle Personen in ihrem Leben erfahren werden. Zuerst in der eher machtlosen Position als Kind und später in der eher machtvollen Position als Erwachsene:r.

Viele Expert:innen sind sich einig, dass Adultismus weitere Diskriminierungsformen, wie Rassismus oder Sexismus begünstigt. Denn uns wird durch Adultismus von klein auf beigebracht, dass ungleiche Machtverhältnisse und Machtmissbrauch normal sind.

Gängige Vorurteile gegen junge Menschen

Gängige Vorurteile gegen die sogenannte „Jugend von heute“ sind zum Beispiel, dass sie unpolitisch ist, immer fauler wird, nur noch vorm Smartphone hängt und „keine Ahnung vom echten Leben hat“ bzw. gar nicht weiß, was ernsthafte Probleme sind. Im Gegensatz dazu werden Erwachsene oft für kompetent, intelligent und verantwortungsvoll gehalten.

Vorurteile wie diese, die sich im Alltag oft in Form von dummen Sprüchen oder Witzen von älteren Personen äußern, sind ganz klar diskriminierend. Denn sie spiegeln schlichtweg nicht die Realität vieler junger Menschen in Deutschland wider und sind abwertend. Wegen solcher Vorurteile werden junge Menschen aufgrund ihres Alters oft nicht ernst genommen, ihnen wird das Gefühl gegeben noch keine Verantwortung übernehmen zu können oder sich nicht beschweren zu dürfen. Sie werden dadurch kleingehalten und lächerlich gemacht. Außerdem glauben Erwachsene dadurch, es stehe ihnen zu, sich über die Meinungen und Ansichten von Kindern und Jugendlichen hinwegsetzen und für sie entscheiden zu dürfen.

Comic

Quelle: www.falken-berlin.de/termine/fortbildung-adultismus

Adultismus im Alltag

Adultismus tritt überall dort auf, wo Erwachsene auf junge Menschen bzw. Ältere auf Jüngere treffen. Beispielsweise:

In pädagogischen Einrichtungen, wie Kitas oder Schulen

Erwachsene Mitarbeiter:innen entscheiden hier, wann und wie Kinder und Jugendliche was genau zu tun haben. Dazu verteilen sie Strafen oder Belohnungen (z.B. in Form von Noten) an Kinder und Jugendliche, während es andersrum keine Möglichkeit für Kinder und Jugendliche gibt, die Mitarbeiter:innen oder Lehrkräfte zu bewerten.

In der Politik zum Beispiel werden die Ideen und Anliegen von jungen Menschen oft nicht ernst genommen oder als unrealistisch betrachtet

Z.B. Fridays for Future (Zitat Christian Lindner)

Tweet von Christian Lindner: "Ich finde politisches Engagement von Schüler:innen toll. Von Kindern und Jugendlichen kann man aber nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis."

Verniedlichungen und Kleinhaltung durch Sprache in den Medien

Z.B. „Mädchen“, „Junge“ oder „Kind“ bei volljähriger Personen. (Der Chefredakteur der Welt am Sonntag nennt Juso-Chefin Annika Klose in einem Twitter-Post ein „aufgeregtes Mädchen“) 

Tweet von Peter Huth: "Sehr aufgeregtes Mädchen von den Jusos bekommt mehr Applaus als Martin Schulz."

Das könnt ihr gegen Adultismus tun

Wie können wir als Gesellschaft reagieren, wenn jemand gegenüber jüngeren Personen einen dummen Spruch äußert oder sie aufgrund ihres Alters diskriminiert? 

Hier sind ein paar Vorschläge, wie ihr euren eigenen Adultismus erkennt und was ihr gegen Adultismus tun könnt:

Ihr könntet zum Beispiel versuchen, diskriminierende Sprüche über euch oder andere nicht einfach so hinzunehmen. Wenn jemand das nächste Mal einen dummen Spruch klopft, könntet ihr zum Beispiel eine naive Rückfrage stellen. Lasst euer Gegenüber das Gesagte erklären. Damit konfrontiert ihr die Person direkt mit ihrem implizierten Vorurteil.

„Das verstehe ich nicht. Was meinst du damit, Jugendliche seien unpolitisch?“

Außerdem kann es hilfreich sein darüber nachzudenken, wie und warum ihr Jüngere selbst anders oder schlechter behandelt und wie ihr stattdessen einen verständnisvolleren Umgang auf Augenhöhe mit ihnen schaffen könnt.

Darüber hinaus könnt ihr versuchen, eure Macht bewusst an jüngere Personen abzugeben. Lasst Kinder und Jugendliche direkt bei Planungs- und Entscheidungsprozessen mitwirken, oder fordert dies ein, falls ihr selbst noch Jugendliche seid. So lernen Kinder und Jugendliche, dass sie Einfluss auf ihre Lebenswelt nehmen können. Hierfür könntet ihr auch Projekte zur Mitbestimmung unterstützen oder selbst mitmachen, wie beispielsweise Kinderparlamente oder Beschwerdestellen (in Schulen, Kitas, Institutionen).

Systematische Diskriminierungsformen, wie Adultismus lassen sich nicht einfach so über Nacht ändern. Wir können aber alle mit unserem Handeln einen Beitrag gegen Adultismus leisten. Gemeinsam können wir an einer Gesellschaft arbeiten, die sich nicht über junge Menschen stellt!

Liebe Grüße
eure Leah

Quellen:

https://www.vielfalt-mediathek.de/adultismus-elementarpaedagogik, Abgerufen 13.07.2021

„Adultismus- Auseinandersetzung, Auswirkungen und Verwobenheit“, Hg. Sarah Clasen, Jannes Hesterberg, Cordula Schuh, Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e. V., Projekt „DEVI − Demokratie stärken. Vielfalt gestalten.“,1. Auflage, Berlin, November 2020

Richter, Sandra (2018): Dafür bist du noch zu jung! Adultismus, eine Diskriminierungsform, die wir alle kennen. In: kinderleicht 5/2018, Bergmoser + Höller Verlag, Aachen

Fragen: Ritz, ManuEla (2008): Adultismus – (un)bekanntes Phänomen: Ist die Welt nur für Erwachsene gemacht? In: Handbuch Kinderwelten. Vielfalt als Chance – Grundlagen einer vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung (S. 128–136). Freiburg: Herder

ypolitik: https://ypolitik.de/podcast/jugenddiskriminierung-diesejungenleute-warum-junge-menschen-in-der-politik-klein-gehalten-werden/

Titelbild: www.der-paritaetische.de/themen/soziale-arbeit/partizipation-und-demokratiebildung-in-der-kindertagesbetreuung/das-abc-der-beteiligung/adultismus/

26 Jahre alt, Studentin

Hallo, ich bin Leah! Als Redakteurin habe ich die Arbeit der Jugend-Redaktion lange begleitet. Politische Themen liegen mir am Herzen. Aktuell studiere ich in Berlin Literatur- und Politikwissenschaften.

Leah Nlemibe / ehem. Redaktionsmitglied

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