Kapitel 2.5

2.5 Strukturelle Ressourcen als Grundlage funktionierender Beteiligungsprozesse

Für einen erfolgreichen Beteiligungsprozess braucht es nicht nur motivierte Teilnehmende, die vom Angebot gehört haben und Zeit und Lust haben, sich einzubringen. Ein entscheidender Aspekt, der sich durch alle Bereiche beziehungsweise Ergebnisse des NAP-Prozesses hindurchzieht und somit Querverweise zu allen anderen Themen aufweist, ist die Frage der strukturellen Ressourcen. Diese beinhalten sowohl die finanziellen Mittel als auch die personellen Ressourcen beziehungsweise die Zeitkontingente, die Fachkräften und Ehrenamtlichen für die Umsetzung von Beteiligungsprozessen zugestanden werden. Die Ergebnisse im NAP zeigen, dass dabei nicht nur die Höhe der finanziellen Förderung von Beteiligungsprozessen entscheidend ist, sondern auch der Zeitrahmen, der für die Unterstützung gewährt wird.

Wie lang- oder kurzfristig Beteiligungsprozesse geplant und budgetiert werden, kann Auswirkungen darauf haben, wie fest Beteiligungsformate strukturell verankert werden können. Zugleich hat es einen Einfluss darauf, wie umfangreich die thematische Reichweite der Beteiligung angelegt werden kann. Auch die Frage, wofür finanzielle Ressourcen budgetär eingeplant sind, kann den Beteiligungsprozess maßgeblich beeinflussen. Sind etwa Kosten für Inklusionsmaßnahmen vorgesehen oder ist eine pädagogische Begleitung finanziell berücksichtigt? Welche Form der Förderung ist sinnvoll?

Finanzielle Ressourcen und Förderlogik

In allen Veranstaltungen des NAP wurde darauf hingewiesen, dass die stabile Finanzierung grundlegend für jede Umsetzung eines Beteiligungsprozesses ist. Diese umfasst unter anderem die Kosten für die verantwortlichen Personen, für Materialien und Verpflegung, Räume sowie gegebenenfalls die Übernahme von Kosten der Teilnehmenden für Unterkunft und Anreise. Zudem seien weiterführende Kosten beispielsweise für Inklusionsmaßnahmen oder Verpflegung häufig nicht in der Förderung berücksichtigt, was den Realitäten von Beteiligungsprozessen mit mehrtägigen Veranstaltungsformaten und vergleichbaren Angeboten nicht entspreche.

Teilnehmende des NAP-Prozesses – junge Menschen oder Fachkräfte gleichermaßen – bemängelten die oftmals fehlenden finanziellen Ressourcen. Oft fehle es an einem belastbaren Budget für die Umsetzung von Beteiligungsprozessen. Das betrifft sowohl Mittel, die beispielsweise für die Arbeit von bereits bestehenden Beteiligungsformaten benötigt werden, als auch die Finanzierung von Formaten, deren Entstehung durch die Ideen junger Menschen angeregt wurde.

Nach den Erfahrungen der NAP-Teilnehmenden werden Beteiligungsformate häufig weiterhin projektbasiert gefördert. Dies bedeutet für betreffende Formate eine begrenzte Laufzeit mit vorher festgelegten Mitteln, die nur zu bestimmten Zwecken eingesetzt werden dürfen. Hierdurch fehle es oft an der notwendigen Flexibilität, in einem ergebnisoffenen Beteiligungsprozess situativ auf Probleme, Ideen und aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen einzugehen. Teils würden Maßnahmen nicht stattfinden können, da sie in keine der Budgetlinien passten und somit nicht abrechenbar seien. Vertrauen in die fachliche Kompetenz beziehungsweise sinnvolle Verwendung der Gelder sei dabei Voraussetzung für eine entsprechende Flexibilität und freiere Handhabung der Finanzen.

In diesem Zusammenhang wurde beispielsweise empfohlen, dass Budgets für Beteiligung (auf kommunaler Ebene) flexiblere Zielvorgaben haben müssten. Zudem könnten junge Menschen bereits in die Budgetplanung einbezogen werden, um hier als Fachkundige ihrer eigenen Lebenswelt auf eine jugendgerechte Projektplanung und -finanzierung hinzuweisen, zum Beispiel hinsichtlich ihrer individuellen Ressourcen (siehe auch Kapitel 2.3) oder Inklusionsbedarfe (siehe auch Kapitel 2.4). Die Empfehlungen aus den NAP-Ergebnissen umfassen dabei auch den Vorschlag, die Vergabe von Fördermitteln an Träger oder Vereine an die Bedingung zu knüpfen, dass diese Kinder- und Jugendbeteiligung ermöglichen. Auf kommunaler Ebene könnte diese Bedingung etwa auch für die Gewährung der Nutzung von Räumlichkeiten oder Sportstätten gelten. Eine weitere Empfehlung regt beispielsweise an, Vorhaben, die von jungen Menschen selbst initiiert werden, stärker finanziell zu unterstützen.

Planungssicherheit und Strukturförderung

In die Diskussion wiederholt eingebracht wurde, dass langfristige Planungssicherheit bei kurzen Projektlaufzeiten nicht gegeben sei. Langfristigkeit sei aber aus Sicht der NAP-Mitwirkenden eine Voraussetzung für Professionalisierung und Qualifizierung von Kinder- und Jugendbeteiligung. Es brauche mehr Verstetigung von Personalstellen und Projekten und demnach mehr Regel- und Strukturförderung auf allen föderalen Ebenen, um Beteiligung nachhaltig und flächendeckend zu verankern. Eine stärkere Strukturförderung ließe sich beispielsweise durch vermehrte gesetzliche Vorgaben ermöglichen. Längere Förderlaufzeiten sollten dabei nicht nur für bestehende Beteiligungsprojekte, sondern auch für unterstützende Strukturen im Beteiligungsbereich gelten.

Projektförderungen mit kurzen Laufzeiten könnten sich auf die inhaltliche Qualität der Beteiligungsprozesse auswirken. So käme es auch immer wieder vor, dass Projekte auslaufen, wenn Fachkräfte und Projektbeteiligte gerade in einem arbeits- und zeitintensiven Prozess eine Beziehungsebene zu den jungen Menschen aufgebaut haben. Des Weiteren wurde vorgebracht, dass allein die Projektbeantragung und -abrechnung zusätzliche bürokratische Hürden für Beteiligungsprozesse bedeuteten. Wenn dazu in kurzen Abständen neue Anträge geschrieben werden müssten, würde das den bürokratischen Aufwand noch zusätzlich erhöhen und viele Zeit- und demnach auch Personalressourcen benötigen.

Personalressourcen

Neben fehlenden finanziellen Ressourcen mangele es laut Aussage der NAP-Teilnehmenden oftmals an qualifizierten Fachkräften für Beteiligungsprozesse. Selbst wenn Fördermittel für Beteiligungsprozesse vorhanden seien, könnten oft nicht alle erforderlichen Aufgaben aufgrund des fehlenden Personals erfüllt werden.

Im Rahmen des NAP-Prozesses wurde der Bedarf an mehr Fachkräften, Mentoren und Mentorinnen, externen Referierenden und Unterstützenden geäußert. Um die Fortbildung und Professionalisierung der Mitarbeitenden zu gewährleisten, müssten auf Bundes- und Landesebene sowie auf kommunaler Ebene Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden. Nicht nur, aber insbesondere im kommunalen Bereich haben die NAP-Mitwirkenden unterschiedliche Erfahrungen gesammelt. So seien vielerorts gute Rahmenbedingungen für Kinder- und Jugendbeteiligung stark vom Engagement einzelner Entscheidungsträgerinnen und -träger sowie deren Finanzierung abhängig. Insofern ist die Ressourcenausstattung für Beteiligungsprozesse kommunal sehr unterschiedlich. Oftmals fehlen Unterstützungsstrukturen für die Etablierung von Kinder- und Jugendbeteiligung, da diese Aufgabe von Ehrenamtlichen nicht zusätzlich oder „nebenbei“ erledigt werden könnte, sondern hauptamtliche Unterstützung benötige. Ehrenamtliche seien generell eine wesentliche Stütze von Kinder- und Jugendbeteiligung und verdienten dementsprechend eine angemessene Entschädigung.

Ressourcen für die inklusive Gestaltung von Beteiligung

Auch für die inklusive Ausgestaltung von Beteiligung sollte gelten, dass die Förderungen Inklusion unterstützen und nicht zusätzlich, etwa durch unflexible Förderrichtlinien, einschränken. Fördermittel für Assistenzleistungen für junge Menschen mit Behinderung sollten beispielsweise standardmäßig in der jeweiligen Förderung enthalten sein und unbürokratisch abgerufen werden können. Generell sollten, laut den Ergebnissen des NAP-Prozesses, Fördergelder für Veranstaltungen nur bewilligt werden, wenn festgelegte Standards hinsichtlich Inklusion erfüllt sind (siehe auch Kapitel 2.4).

Ungleiche Ressourcen in Stadt und Land?

Laut den Erfahrungen der NAP-Teilnehmenden besteht ein Ungleichgewicht in der Ressourcenausstattung zwischen Großstädten und dem ländlichen Raum. Strukturschwachen Landkreisen und Kleinstädten fehle es meist an finanziellen Mitteln. Damit verbunden mangele es in den ländlichen Räumen an Stellen, die Informationen zu Beteiligungsprozessen bereitstellen. Außerdem sind Beteiligungsformate hier aus Sicht der NAP-Teilnehmenden eher unterrepräsentiert. In diesem Zusammenhang wurde gleichfalls angemerkt, dass überproportional viele Beteiligungsangebote, die auf Bundesebene verortet sind, in Berlin stattfinden würden und dies die Teilnahme junger Menschen aus weiter entfernten Regionen erschwere.

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