Gender-Sternchen, Binnen-I oder doch der Doppelpunkt? Seit Jahren ist die Diskussion groß: Sollten wir Gendern? Und wenn ja, wie geht es am besten? Auch bei unseren Beiträgen auf Instagram zu diesem Thema gingen die Meinungen in den Kommentarspalten auseinander.
Was bedeutet „Gendern“ eigentlich?
Gendern meint das Einbeziehen aller Geschlechter, sodass sich jede*r angesprochen fühlt.
Die bekanntesten Arten zu Gendern sind mit Schrägstrich (/) oder Binnen-I (I). Bei diesen Schreibweisen soll sowohl die männliche als auch die weibliche Form gleichermaßen angesprochen werden.
Der Nachteil: Es werden nur diese beiden Geschlechter benannt. Menschen, die sich einem erweiterten Geschlechtersystem zuordnen, werden hier vernachlässigt.
Um alle Geschlechter gleichermaßen anzusprechen, gibt es den Doppelpunkt (:), den Unterstrich (_), oder das Sternchen (*), welche zwischen der männlichen und weiblichen Endung des Wortes platziert werden. Zum Beispiel: Schüler:in, Lehrer_in, oder Journalist*in.
Der Nachteil: Die unterschiedlichen Schreibarten weisen Schwächen in der richtigen Rechtschreibung auf, denn das gegenderte Wort muss auch ohne eingefügtes Satzzeichen Sinn ergeben. Bsp. Koch vs. Köchin –> „Köch:in“ funktioniert nicht, denn der Wortstamm „Köch“ ergibt nur mit der Endung „in“ Sinn.
Pro und Kontra Gendern
Gendern ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Welche Punkte sprechen dafür, welche dagegen? Um den unterschiedlichen Standpunkten auf den Grund zu gehen, haben wir uns ein neues Format für unseren Instagram Account ausgedacht: Pro und Kontra. Marwin und Linda haben jeweils einen Videobeitrag aufgenommen, der eine der Positionen beleuchtet. Marwin hat sich dabei den Pro-Argumenten gewidmet und Linda hat sich die Kontra-Argumente angeschaut. Die in den Videos dargestellten Argumente entsprechen jedoch nicht zwingend der Meinung der Redakteur*innen, sondern dienen vor allem der Veranschaulichung des bestehenden Diskurses. Die Beiträge und die damit einhergehende Frage nach der Meinung über das Gendern hat unter unseren Follower*innen auf Instagram für starke Diskussionen gesorgt.
Auch außerhalb unseres Instagram Accounts wird viel über das Thema diskutiert. Zwei Drittel der Gesellschaft lehnen das Gendern ab. Die Kritik lautet, dass die Debatte rein symbolisch sei und von wahren Problemen ablenke. Die Sprache ändere nichts daran, dass Frauen* in vielen Situationen weiterhin Diskriminierungen erfahren, beispielsweise durch den Gender Pay Gap.
Das Thema der Gendersprache spalte die Gesellschaft, anstatt sie inklusiver zu machen. Mit einer Verpflichtung des Genderns würden potenzielle Verbündete im Kampf für Gleichberechtigung abgeschreckt und Fronten verhärtet werden.
Ein weiteres Argument bezieht sich auf die Verkomplizierung von Sprache. Damit würden Nicht-Muttersprachler*innen, Menschen mit Behinderung oder eingeschränktem Bildungszugang aktiv ausgegrenzt werden. Weiter unten im Text gehen wir noch mal explizit auf das Thema Barrierearmut ein.
Die Befürworter des Genderns argumentieren unter anderem mit folgendem Punkt: Sprache ist Macht und verändert unsere Denkweise. Das generische Maskulinum soll zwar für alle gelten, jedoch zeigen psychologische Studien, dass sich die meisten Menschen trotzdem eher Männer vorstellen. Des Weiteren zeigen Studien auch: Neutrale Sprache soll dafür sorgen, dass Menschen über Geschlechterrollen offener denken.
Darüber hinaus mache Gendern gerade in der Berufswahl einen deutlichen Unterschied. Wenn die Berufe in einer männlichen und weiblichen Form genannt werden, trauen sich Mädchen und Frauen eher zu, die als „typisch männlich“ geltende Berufe in Erwägung zu ziehen. Dies gilt auch andersherum. Das Argument, dass Gendern die Sprache verändere, wird von den Befürwortenden mit dem Argument der Weiterentwicklung unserer Sprache widerlegt. So hat der Duden bereits 3.000 neue gendergerechte Wörter hinzugefügt.
Barrierearmes Gendern
Die Thematik ist also gar nicht so einfach. Hinzu kommt noch der wichtige Punkt der Barrierearmut. Eine häufige Kritik ist hier, dass das Gendern den Lesefluss behindere. Für Menschen, die die deutsche Sprache nicht gut beherrschen, aber auch für Menschen mit Leseschwäche oder Lernbehinderungen, stellt das Lesen von gegenderten Texten eine zusätzliche Herausforderung dar.
Die Schreibweise mit Doppelpunkt wird oft als relativ „barrierearm“ bezeichnet. Allerdings empfiehlt der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) den Doppelpunkt explizit NICHT, da er zu Problemen mit Vorlese-Programmen führt. Sogenannte „Screenreader“ lesen auf Knopfdruck den Text in Lautsprache vor. Bei dem Doppelpunkt kommt es vermehrt vor, dass dieser von dem Programm in Lautsprache mitgelesen wird. Bei häufiger Verwendung bedeutet das für die hörende Person, dass der Text nicht flüssig vorgelesen wird und es viel Mühe kostet, dem Text zu folgen.
Der DBSV empfiehlt geschlechtsneutrale Formulierungen wie z. B. „Team“ oder die Nennung zweier Formen wie z. B. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu verwenden. Allerdings gibt der DBSV selbst zu bedenken: „Leider wird die zweite Lösung nicht allen Geschlechtsidentitäten gerecht.“ Falls jedoch mit Satzzeichen gegendert werden soll, dann mit dem Gender-Sternchen(*).
Auch wir als Redaktion haben durch die Recherche neue Erkenntnisse erlangt.
Bisher haben wir mit dem Doppelpunkt gegendert. Da uns das Einbeziehen aller Menschen wichtig ist, werden wir in unseren zukünftigen Beiträgen das Gender-Sternchen(*) verwenden.
Falls ihr auf Instagram noch nicht mitdiskutiert habt, erzählt uns gerne hier, was ihr vom Gendern haltet! Welche Form des Gendern verwendet ihr?
Viele Grüße
Linda und Marwin
Quellen:
https://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/umfragen/aktuell/weiter-vorbehalte-gegen-gendergerechte-sprache/
https://www.lpb-bw.de/gendern#c76345
https://gfds.de/standpunkt-der-gfds-zu-einer-geschlechtergerechten-sprache/
https://www.genderleicht.de/gender-doppelpunkt/
https://www.genderleicht.de/binnen-i/
https://www.dbsv.org/gendern.html


