„Takeover Bellevue“ – Jugendliche übernehmen das Schloss Bellevue

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Gruppe Jugendlicher vor dem Schloss

© Bundespräsidialamt | Andrea Katheder

Am 06. und 07. Oktober fand das „Takeover Bellevue“ statt. Bei der Veranstaltung im Schloss Bellevue übernahmen 150 Jugendliche bzw. junge Erwachsene aus ganz Deutschland den Amtssitz des Bundespräsidenten, Frank-Walter Steinmeier. Ziel des Ganzen war es, die Themen der jungen Menschen in die Öffentlichkeit und Politik zu tragen. Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung hatte im Juli 50 junge Politikinteressierte zu einem Vorbereitungstreffen, die sogenannte Kerngruppe, eingeladen. Diese Kerngruppe sollte die beiden Tage im Schloss Bellevue gestalten. Zu den „eigentlichen“ Tagen am 06. und 07. Oktober wurden dann noch um die 100 Jugendliche und junge Erwachsene eingeladen, die sich online bewerben konnten. An den Vorbereitungstreffen, die ausschließlich per Videokonferenz stattfanden, sollten sich die jungen Teilnehmenden Themen überlegen, die sie auf dem Herzen hatten: Jugendpartizipation, Chancengleichheit, Inklusion, Klimawandel, Europa, Gesundheit, Solidarität und digitale Bildung. Alle Workshops sollten in den zwei Tagen die Themen künstlerisch aufbereiten und am Ende in einer Präsentation vorstellen.

Workshop drei im Detail

Jasper Dombrowski vom Handicap Lexikon war in der Kerngruppe und hat mit vier weiteren Leuten den Workshop „IncluCulture – Jugend und Inklusion gemeinsam denken“ vorbereitet. Anfangs war es die Idee der Kerngruppe in Workshop drei aufzuzeigen, wie inklusiv beziehungsweise uninklusiv die Kultur ist, wie zum Beispiel Jugend- oder Begegnungszentren.

Als sich die Kerngruppe und die anderen Bewerber:innen kurz kennengelernt hatten, gab es ein kurzes Brainstorming, was Inklusion bedeutet und wo es gelebt wird oder es zweifelsfrei gelebt werden sollte. Nach der Ideensammlung stellte die Gruppe zusammen fest, dass die Veranstaltung, obwohl es bereits ein breites Personenspektrum war, überhaupt nicht inklusiv war. Dabei handelte es sich nicht nur um die Inklusion von Menschen mit Behinderungen, sondern auch alle, die aufgrund ihrer Herkunft oder ihres Bildungsgrades diskriminiert werden.

„Das ist auf dieser Veranstaltung schon nicht gegeben. Wie sollen die Menschen die Inklusion erst im Alltag umsetzen?“, fragten sich die Teilnehmenden des Workshops. Deshalb entschied sich die Gruppe bei der Präsentation ihrer Ergebnisse für ein Spiel mit dem Bundespräsidenten und seiner Frau, Elke Büdenbender, sowie den Teilnehmenden aus den anderen Workshops zu spielen. Das ausgedachte Spiel beinhaltete Fragen, zu denen das Publikum sich erheben oder Handzeichen geben musste, wenn die Fragen auf die Menschen zutrafen.

Gesagt – getan

Bei der Präsentation stellte sich der Workshop auf die Bühne im Garten des Schlosses Bellevue und fragte in die große Runde: „Wer von Euch studiert oder hat studiert?“ Die Mehrheit der Anwesenden standen auf. Die Bühnenmoderator:innen setzten direkt mit einem Fazit an: „Wir sehen, dass die hier Anwesenden in der Mehrheit einen Hochschulabschluss haben. Wir dürfen die Menschen mit einem niedrigeren Schulabschluss nicht vergessen.“ Darauf folgte die nächste Frage. „Wer von Euch hat eine Behinderung?“ Nur ein geringer Teil stand auf oder gab Handzeichen. Die Schlussfolgerung der Bühnenmoderator:innen daraus: „Wir sehen, hier bei der Veranstaltung ist leider nur ein kleiner Teil von Menschen mit Behinderungen. Wir dürfen Menschen mit Behinderungen nicht vergessen.“ Es folgten noch Fragen, welche Personen aufgrund ihrer Herkunft oder ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden. Auch dort standen viele Personen auf. Am Ende der Präsentation stellte der komplette Workshop ein abschließendes Fazit auf: „Wir sehen, dass trotz breiter Auswahl der Veranstalter:innen immer noch kein ausgewogenes Personenspektrum vertreten ist. Der Kampf für Inklusion geht auch nach dieser Veranstaltung weiter.“ Mit Applaus, weiteren interessanten Präsentationen, einem bunten Abendprogramm mit guter Musik und tollen Gesprächen gingen zwei spannende Tage zu Ende.

30 Jahre alt, Mediengestalter

Aloha, Jasper hier und ich habe die Ehre einen Gastartikel zu schreiben. Da ich selbst eine körperliche Behinderung habe, engagiere ich mich mit verschiedenen Projekten zu den Themen Behinderung, Teilhabe und Inklusion. Ich bin nebenbei beruflich bei der Berliner Behindertenzeitung als Grafiker tätig.

Jasper Dombrowski / Gastautor

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