Für viele ist der „Frauentag“ schon lange ein Begriff, jedoch ist er als offizieller Feiertag noch ziemlich neu. Doch wie kam es überhaupt zum Frauentag? Ich habe mir zum Anlass des 8. März den Prozess und die heutige Entwicklung angeschaut.
Die Anfänge der Frauenrechtsbewegung
Der Weltfrauentag ist ein Erfolg aus der Frauenrechtsbewegung und soll auf die Diskriminierung der Frau aufmerksam machen. Mit der 1865 erfolgten Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF) durch Louise Otto-Peters und Auguste Schmidt begann die organisierte Form der Frauenbewegung in Deutschland. Schon zuvor klagten einzelne über die Ungerechtigkeit der Frau gegenüber dem Mann. Mit der Gründung des Vereins vereinten sich die Frauen und schafften sich zum ersten Mal Gehör in der breiten Masse und Anerkennung unter Befürworter*innen. Auch die Arbeiterinnenbewegung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts war ausschlaggebend für die Erfolge auf dem Weg zur Gleichstellung von Frauen und Männern. Hier schlossen sich Arbeiterinnen in Vereinen zusammen, um für ihre Rechte und bessere Lebensbedingungen in der Arbeitswelt zu kämpfen.
Der Kampf um das Wahlrecht
Ein sehr großer Erfolg der Frauenrechtsbewegung war die Einführung des Frauenwahlrechts. In Deutschland wurde das Frauenwahlrecht am 12. November 1918 eingeführt und nur vier Monate später durfte das erste Mal eine Frau, Marie Juchacz, in einem deutschen Parlament eine Rede halten. Jedoch mussten Frauen weltweit lange dafür kämpfen, zu wählen und gewählt werden zu dürfen und damit die Gelegenheit zu bekommen, demokratische Prozesse mitzugestalten. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Frauen immer lauter, bildeten Bündnisse, organisierten Demonstrationen und hielten die erste Internationale Sozialistische Frauenkonferenz zum Thema Frauenwahlrecht ab. 1909 wurde das erste Mal in den USA, initiiert von US-amerikanischen Sozialistinnen, ein nationaler Aktionstag für das Frauenwahlrecht durchgeführt. Ein Jahr später verbreiteten sie die Idee eines internationalen Frauentages auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz. Am 19. März 1911 wurde daraufhin in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA der erste Internationale Frauentag veranstaltet. Sogar während des Ersten Weltkrieges fanden im Geheimen Aktionen zum Frauentag statt, obwohl das Datum auch in den darauffolgenden Jahren immer wieder wechselte.
1921 wurde der Frauentag auf den 8. März festgelegt. Warum genau dieser Tag ausgewählt wurde, ist nicht mehr ganz deutlich festzustellen. Auch in der DDR wurde der 8. März offiziell als „Tag der Frau“ gefeiert. In der BRD dagegen geriet er zunehmend in Vergessenheit, bis er in den 1970ern von der neuen Frauenbewegung wieder mehr in den Fokus gerückt wurde.
Die UN erklärte 1975 im Rahmen des „Internationalen Jahrs der Frau“ den 8. März offiziell zum Internationalen Frauentag. In Deutschland wurde er jedoch erst 2019 als Feiertag eingeführt, und das auch nur in Berlin. Seit diesem Jahr (2023) ist er immerhin auch noch in Mecklenburg-Vorpommern als Feiertag anerkannt. In viele anderen Ländern, wie zum Beispiel in der Ukraine, in Kasachstan, Uganda, Aserbaidschan, Laos oder Russland ist er schon länger ein landesweiter Feiertag.
Gender-Pay-Gap
Das Vermindern bzw. Abschaffen des Gender-Pay-Gap ist eines der neuen wichtigen Ziele der Frauenrechtsbewegung. Noch immer verdienen Frauen pro Stunde durchschnittlich 18 % weniger als Männer. Der Geschlechterunterschied ist in kaum einem anderen EU-Land so hoch. Der große Unterschied in der Bezahlung liegt unter anderem auch daran, dass Frauen häufiger in „Niedriglohn“-Berufen oder Minijobs beschäftigt sind. Noch heute arbeiten Frauen oft weniger, da sie mehr im Haushalt beschäftigt und für die Kinder zuständig sind. Veraltete gesellschaftliche Muster werden reproduziert und Frauen weiterhin systematisch benachteiligt. Es sind strukturelle Veränderungen erforderlich, um den Gender-Pay-Gap zu schließen.
Der Verdienstunterschied zieht sich durch fast alle Bereiche. Ein Beispiel, welches den Gender-Pay-Gap deutlich macht, ist der Profifußball. Eine Nationalspielerin bekommt 60.000 € für einen EM-Triumph. Ein Nationalspieler bekommt im Vergleich dazu bis zu 400.000 € ausgezahlt. Ein Faktor hierfür ist die geringere Aufmerksamkeit des Frauenfußballs, was sich auf die Anzahl der Sponsoren auswirkt. Aber hier tut sich was. Die Debatte über die ungleiche Bezahlung im Fußball wird seit Jahren geführt. In der Schweiz soll das Frauen-Nationalteam künftig die gleiche Bezahlung wie im Männerfußball bekommen. Auch Deutschland möchte was ändern. Jedoch hinkt der DFB mit der Entwicklung weit hinterher. Nun hat sich unser Kanzler, Olaf Scholz, dazu geäußert und möchte sich für die faire Bezahlung im Frauenfußball stark machen. Es gibt also auch Lichtblicke.
Die Diskriminierung von Frauen war schon vor Hunderten Jahren ein großes Thema und auch heute muss noch vieles für die Gleichstellung von Frau und Mann getan werden. In der Geschichte sehen wir jedoch auch große Erfolge, die zu einer gerechteren Welt beitragen, in der Menschen unterschiedlichster Gender freier und sicherer leben können.
Viele Grüße
Linus
Quellen:
https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Frauenwahlrecht-in-Deutschland-Die-Geburtsstunde-1918,frauenwahlrecht110.html (Abgerufen am 09.02.)
https://www.zdf.de/nachrichten/wirtschaft/verdienst-frauen-maenner-unterschied-stagnation-100.html (Abgerufen am 09.02.)
https://www.deutschlandfunk.de/equal-pay-fussball-verbaende-dfb-100.html (Abgerufen am 10.02.)
https://www.lpb-bw.de/08-maerz-frauentag#c27474 (Abgerufen am 24.02.2023)
https://www.rnd.de/wissen/weltfrauentag-2023-feiertag-ursprung-bedeutung-die-wichtigsten-infos-im-ueberblick-XVDZWJIHDF5AIESGUWF4K26KFE.html (Abgerufen am 24.02.2023)


