Wie divers ist der deutsche Film?

von 

Icon fürVielfalt und TeilhabeVielfalt und Teilhabe
Fragende Person vor einer Kameraklappe

Auch im deutschen Film ist das Thema Diversität schon lange in der Diskussion. Ähnlich wie im Theater soll der Film als mediale Repräsentation die Vielfalt unserer Gesellschaft widerspiegeln. Jedoch wird die Branche noch immer stark von weißen Männern, ihrer Arbeit und ihren Perspektiven dominiert. Dies gilt für so gut wie alle Tätigkeiten im Filmteam – aber vor allem für Machtpositionen. Zuletzt kritisierte dies Claudia Roth, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. In dieser Position fordert sie stärkere Richtlinien bei der Vergabe von Filmförderungen, die nachhaltiges Produzieren und mehr Vielfalt sowie mehr Teilhabe vor und hinter der Kamera fördern.

Zahlen und Fakten

Eins steht fest: Frauen hinter der Kamera sind unterrepräsentiert. Das fängt schon bei dem Verfassen von Drehbüchern an. Nur 24 Prozent der Filme sind von einer Frau geschrieben, 58 Prozent der Autor*innen sind dagegen männlich. Bei 18 Prozent der Drehbücher sind gemischte Teams verantwortlich. Und was hinter der Kamera passiert, hat große Auswirkungen auf den Film selbst. Je mehr Frauen im Filmteam in verantwortlichen Positionen sind, desto öfter sind Frauen in Filmen zu sehen. Bei einer weiblichen Regieführung, sind die Themen der Frauenfiguren deutlich detaillierter und nicht allein auf Partnerschaft und Beziehung mit und zu Männern reduziert.

Die Malisa-Studie von Professorin Elizabeth Prommer macht deutlich, wie unterschiedlich Männer und Frauen im Film dargestellt werden. Obwohl Frauen zwar inzwischen fast ebenso häufig als Protagonistinnen sichtbar sind wie Männer, sind ihre Rollen weit weniger vielfältig dargestellt. Überdurchschnittlich oft sind sie unter 30, dünn und haben keinen erkenntlichen oder einen weniger gehobenen Beruf. Aber auch andere Personengruppen sind falsch oder deutlich unterrepräsentiert dargestellt. Personen mit Migrationsgeschichte sind zum Beispiel nur halb so oft im Kino sichtbar wie in der Gesellschaft und nur drei Prozent der Protagonist*innen sind als nicht heterosexuell lesbar.

Darüber hinaus sind auch Menschen mit Behinderung selten im Film zu sehen. Linus Bade aus unserer Redaktion, der nebenberuflich als Schauspieler mit Behinderung tätig ist, berichtet dazu: „Behinderte Rollen werden oft von Nicht-Behinderten-Darsteller*innen gespielt. Gründe hierfür sind mangelnde Barrierefreiheit am Set und Berührungsängste der nicht behinderten Gesellschaft. Dies sind jedoch oft nur Ausreden aus Bequemlichkeit, die strukturelle Probleme und nötige Veränderungen verschleiern. Dass es problemlos anders geht, habe ich bei meinen ersten Schauspielerfahrungen am Set des Kinofilms Einfach mal was schönes gesehen. Unter der Regie von Karoline Herfurth hatte ich eine relativ große Rolle und wurde in allen Bereichen wie jede*r andere Schauspieler*in auch eingebunden. Da waren meine eben genannten Gründe, die behinderten Menschen die Zugänge zu Schauspiel verwehren, zu keinem Zeitpunkt ein Thema.“

Fest steht: Auch wenn es in den letzten Jahren schon viel Wandel in Richtung Repräsentation von bestimmten Gruppen gegeben hat, sind wir von einer Gleichberechtigung noch weit weg. Denn Gleichberechtigung bedeutet nicht nur eine Repräsentation bestimmter Gruppen, sondern dass jedes Individuum dieselben Möglichkeiten und das gleiche Recht hat, sich einzubringen und dafür gleiche Wertschätzung bei gleicher Arbeit zu bekommen.

Liebe Grüße
Omeima

Quellen:

https://indiefilmtalk.de/episodes/filmfoerderung-moeglichkeiten-um-gelder-fuer-das-film-projekt-zu-bekommen/ (Abgerufen am 13.07.2023)

https://www.sueddeutsche.de/kultur/tagung-zu-diversitaet-im-film-tutzing-1.5557349 (Abgerufen am 13.07.2023)

https://www.deutschlandfunkkultur.de/kulturstaatsministerin-roth-fuer-mehr-diversitaet-und-nachhaltigkeit-bei-filmdrehs-100.html (Abgerufen am 13.07.2023)

https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/bundeskanzleramt/staatsministerin-fuer-kultur-und-medien/aktuelles/pressemitteilungen/kulturstaatsministerin-roth-zum-deutschen-produzententag-wirksame-anreize-setzen-fuer-nachhaltiges-produzieren-fuer-mehr-vielfalt-und-teilhabe–2037214 (Abgerufen am 18.07.2023)

https://www.spiegel.de/kultur/tv/diversitaet-in-serien-hollywood-macht-druck-aufs-deutsche-fernsehen-a-0b5a15b0-1209-49c3-a600-bafa07c3861c (Abgerufen am 13.07.2023)

https://indiefilmtalk.de/episodes/filmfoerderung-moeglichkeiten-um-gelder-fuer-das-film-projekt-zu-bekommen/ (Abgerufen am 13.07.2023)

https://malisastiftung.org/frauen-auf-leinwand-ergebnisse-fortschrittsstudie/ (Abgerufen am 13.07.2023)

24 Jahre alt, Studentin

Was geht, ich bin Omeima, komme aus Hamburg und war Teil der Jugendredaktion. In meinem Podcast „Gastgedanken“ nehme ich Rap auch als Ausgangspunkt, um über größere Themen zu sprechen. Meine Interessen bewegen sich von Politik bis Musik überall dahin, wo es um Ungerechtigkeiten geht.

Omeima / ehem. Redaktionsmitglied

Aktuelles zur Jugendstrategie

Bleib immer up to date und erfahre von unseren Veranstaltungen! Melde dich für den Newsletter der Jugendstrategie an.

Hier findest du übrigens den aktuellen Newsletter.

Deine Daten, die du im Rahmen der Newsletter-Anmeldung angibst, behandeln wir vertraulich. Nähere Informationen zur Datenverarbeitung findest du unter Datenschutz.