Dieses Jahr fanden die, sich alle zwei Jahre wiederholenden, JugendPolitikTage (JPT) statt. Vom 11. bis zum 13. Mai tagte die Veranstaltung im Haus der Kulturen der Welt im Herzen von Berlin und nur einen Steinwurf vom Kanzleramt entfernt. Aufgrund des geplanten Bahnstreiks an diesem Wochenende endete die Veranstaltung bereits einen Abend früher als geplant.
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, der seit Anfang 2023 Intendant des Hauses der Kulturen der Welt ist. Die JPT sind das Event, wo junge Menschen Politik aktiv mitgestalten können. In verschiedenen Themenforen und AGs konnten die Teilnehmenden ihre Meinungen zu politischen Themen diskutieren und Lösungsansätze erarbeiten.
Die themenspezifischen Diskussionsrunden wurden von den Podiumsgästen angeleitet, es wurde jedoch auch sehr viel Wert drauf gelegt, das Publikum mit einzubinden. Im Saal standen überall Mikrofone bereit, die von den teilnehmenden Jugendlichen für Wortbeiträge genutzt wurden. Auch wurde möglichst viel auf Barrierefreiheit geachtet. Es gab zum Beispiel ein zusätzliches mobiles Mikrofon, welches von einem Verantwortlichen zu den Plätzen gebracht wurde. Dadurch konnten auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen teilnehmen. Mehrere Dolmetscher:innen übersetzten die Veranstaltung in Deutsche Gebärdensprache.
Generell war das Publikum sehr vielfältig und divers. Unter den Teilnehmer:innen waren unter anderem Menschen mit Migrationsgeschichte, mit divergierenden Qualifikationen, mit verschiedenen Bildungsständen sowie Menschen mit Behinderungen vertreten. Alle wurden gleichermaßen eingebunden, was die Veranstaltung zu einem sehr inklusiven Zusammenkommen machte.
Politiker:innen vor Ort
Für die Diskussionen wurden auch Politiker:innen eingeladen, die sich den Fragen der Teilnehmer:innen stellten. Am Donnerstag trat Bundeskanzler Olaf Scholz auf. Sein Auftritt wurde von den Teilnehmenden jedoch teilweise kritisiert. Seine Antworten seien stark ausweichend gewesen und wurden mit „Drumherumreden“ betitelt. Gerade bei wichtigen und relevanten Fragen wären sehr allgemeine Antworten zurückgekommen.
Die Themen der Jugendlichen waren sehr vielfältig und reichten von „Integration/Inklusion“ über „Schulsystem“, „Kindergrundsicherung“, „das Selbstbestimmungsgesetz“ bis hin zum „Klimaschutz“. Es ging unter anderem um das Pariser Klimaabkommen, dessen Einhaltung seit einiger Zeit angezweifelt wird. Bundeskanzler Scholz hielt an der Einhaltung des Abkommens fest. Sein Statement dazu: „Klimaschutz ist eine internationale Aufgabe“.
Zum Schulsystem sagte Scholz: „Es gibt viele Dinge, die man verbessern und weiterentwickeln kann, es gibt aber auch keine Lösung für alle Probleme. Man muss viel machen, nicht nur ein extra Schulfach einführen.“ Auch erwähnte er die Corona-Pandemie und die dadurch entstandenen Beeinträchtigungen, wie z. B. lange Schulschließungen, weniger Freizeit und die Möglichkeit, Freunde zu treffen – das gelte es aufzuholen. Bei der Frage, was er lieber hätte, „Kabinettssitzung oder JPT“, war seine Antwort ganz klar: die JugendPolitikTage. Sein zurückhaltender Auftritt bekam neben der Kritik aber auch Verständnis. So haben einige Teilnehmende nach der Veranstaltung gemeint, der Bundeskanzler müsse eben genau aufpassen, was er sagt, damit es ihm später nicht zum Verhängnis würde.
Auch Bundesjugendministerin Lisa Paus war zu den JPT eingeladen. In Bezug auf die Frage, wie wichtig das politische Interesse junger Menschen sei, antwortete sie sehr deutlich: „Eine Politik ohne Jugend ist wie eine Gegenwart ohne Zukunft“ und bekam dafür viel Zuspruch aus dem Publikum.
Auch wenn einige von den Auftritten der Politiker:innen enttäuscht waren, konnten die diesjährigen JugendPolitikTage wieder einmal beweisen, dass die „faule Jugend“ politisch sehr wohl interessiert ist und die Demokratie mitgestalten möchte. Wir von „jung genug“ haben auch einiges mitgenommen, was ihr in den kommenden Wochen auf unserem Instagram-Kanal verfolgen könnt.
Viele Grüße
Linus


