Der Jugendpolitische Beirat des Bundesjugendministeriums wurde 2019 gegründet, um Expert:innen aus verschiedenen Bereichen in die Entwicklung der Jugendstrategie der Bundesregierung einzubeziehen. Der Beirat besteht aus Mitgliedern aus Wissenschaft, den Ländern, der Jugendhilfe sowie Kinder- und Jugend-Interessenvertretungen. Seit 2022 sind erstmals auch junge Menschen unter 27 Jahren dabei.
Junge Stimmen stärken
Wir sind junge Aktive unter 27 Jahren und engagieren uns in Beteiligungsformaten auf Bundesebene. Für die Arbeit im Jugendpolitischen Beirat des BMFSFJ wurden wir in der vergangenen Legislaturperiode von der Bundesjugendministerin berufen.
Wir sahen unsere Beteiligung als Selbstvertretung junger Stimmen, nicht als Vertretung der Interessen einer gesamten Generation. Wir maßen uns nicht an, die Vielfalt der Lebenslagen junger Menschen in Deutschland abzubilden, doch wir werben dafür, regelhaft junge Perspektiven einzubinden.
Erstmals hat die Bundesregierung den politischen Willen aufgebracht, junge Menschen in den Jugendpolitischen Beirat des BMFSFJ als gleichberechtigte Mitglieder zu berufen. Dieser Beschluss beruht darauf, junge Menschen als Expert:innen in eigener Sache zu betrachten und von ihnen Rat einzuholen.
In der Arbeit des Beirats machten wir uns für neue Schwerpunkte stark: Wir setzen uns für die Behandlung der Prävention von Rechtsextremismus in den Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe, die Umsetzung der Beteiligungsrechte aus der UN-Kinderrechtskonvention sowie zeitgemäße Perspektiven auf Adultismus (also die Diskriminierung oder Benachteiligung aufgrund von jungem Alter) und intersektionale Diskriminierung (Mehrfachbenachteiligung) ein.
Wir regten eine jugendgerechte Diskussionskultur an, indem wir Herausforderungen benannten, gemeinsame Verständnisse der Zusammenarbeit suchten sowie Augenhöhe einforderten.

Kritisch, konstruktiv, jugendgerecht
Wenn Angehörige aus verschiedenen Generationen und mit unterschiedlichen Hintergründen sich ernsthaft auf einen mehrjährigen Prozess der Einbeziehung junger Menschen in Gremien auf Bundesebene einlassen, richten sie scheinbar selbstverständliche Routinen neu aus: Der Beirat und die zuständigen Mitarbeitenden im Ministerium haben ihre Arbeitsweise angepasst und Strukturen geschaffen, die jugend- und ehrenamtsfreundlich sind. Dazu gehörten gemeinsame Vorbereitungstreffen, jugendgerechte Sitzungszeiten und das Zahlen von Aufwandsentschädigungen, um die Beteiligung inklusiver und fairer zu gestalten.
Von Beginn an forderten wir einen jugendgerechten Einblick über sowohl fachliche Fortschritte als auch haushälterische Kürzungen ein. Zur Halbzeit der Beiratsarbeit organisierten wir jungen Mitglieder für uns untereinander daher eine Klausur, um kritisch auf den Prozess zu blicken und konstruktive Impulse zu planen.
Beteiligung als Lernprozess
Für eine hochwertige Politikberatung zu kinder- und jugendpolitischen Themen muss es selbstverständlich sein, Kinder und Jugendliche zu beteiligen. Klar geworden ist, dass die jugendgerechte Beteiligung in einem Ministeriumsbeirat nur in einem kontinuierlichen Format mit angemessenen Ressourcen (wie Zeit, pädagogische Unterstützung und Finanzierung) gewährleistet werden kann. Der Kinder- und Jugendbeteiligung durch die Bundesregierung fehlt es bisher vor allem an Klarheit und Struktur sowie einer pädagogischen Rahmung.
Da wir junge Mitglieder die Beteiligung junger Menschen als Lernprozess verstehen, möchten wir auf einige Bedarfe zur Veränderung hinweisen:
Wir erachten eine pädagogische Begleitung von jungen Menschen, die mit Erwachsenen zusammenarbeiten, als unabdingbar. Während unserer Zeit im Beirat war eine solche Begleitung nicht von Beginn an eingeplant und konnte im weiteren Verlauf leider nicht mehr realisiert werden.
Zudem ist das Management angemessener Erwartungen wichtig, um Kräfte zielgerichtet einzusetzen und selbstorganisiertem Engagement Raum zu geben.
Synergien nutzen und Ambitionen steigern
In der Beiratsarbeit erachten wir es als wertvoll, sämtliche Ebenen des föderalen Systems (also Personen aus Bund, Länder und Kommunen) zusammenzubringen und Synergieeffekte stärker nutzbar zu machen. Die Entwicklung von Maßnahmen und Programmen zur Jugendpolitik betrifft am Ende nicht nur das Bundesjugendministerium, sondern alle anderen Ministerien der Bundesregierung, die Länder und Kommunen und reicht bis hin zu lokalen Angeboten wie dem Jugendclub von nebenan.
Wir sind dankbar für den besonnen Austausch mit vielen unterstützenden Kompliz:innen. Wir bleiben kritisch, ob vom Nationalen Aktionsplan für Kinder- und Jugendbeteiligung, dessen Umsetzung der Jugendpolitische Beirat von 2022 bis 2025 begleitet hat, ein konsequent jugendgerechter Politikmodus ausgehen wird.
Fazit
Was braucht es also, damit sich junge Menschen auf Bundesebene oder auch Gremien, wie dem Jugendpolitischen Beirat, gut einbringen und beteiligen können?
- Generationenübergreifende Politikberatung erfordert eine konzeptionelle Rahmung, klare Mandate und Erwartungen sowie eine gemeinsam aufgestellte Arbeitsstruktur.
- Der politische Wille ist entscheidend für den Ertrag der Beteiligung. Die Einbeziehung in die Entwicklung, Gestaltung und kritische Evaluation von Formaten ist wesentlich.
- Junge Menschen bringen andere Blickwinkel als Erwachsene ein. Wir schaffen eine belebende Dynamik und fordern festgefahrene Beratungsstrukturen heraus.
- Die Besetzung von unabhängigen Beratungsgremien bei der Bundesregierung mit jungen Menschen sollte divers und dezentral ausgestaltet werden, mit nachvollziehbaren Besetzungskriterien.
- Es braucht eine pädagogische Begleitung, die Frust auffängt und Mediation anbietet. Gemeinsam kann man jugendgerechte Arbeitsweisen und Strukturen ausbauen.
- Ernst gemeinte Kinder- und Jugendbeteiligung muss bundesweit und dezentral institutionalisiert, finanziell abgesichert sowie gesetzlich verankert werden.
- Jugendpolitik ist ein ganzheitlicher Ansatz und braucht auf allen Ebenen und in allen Ministerien Verbündete, kritische Freund:innen und Vorkämpfer:innen.
- Es braucht einen Dialog der Generationen, um nicht länger nur über junge Menschen zu sprechen, sondern mit ihnen gemeinsam zukunftsfähige Politik zu gestalten.


