Persönliche Perspektive

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Junger Mann hinter Titel

In den ersten beiden Teilen meiner 3-teiligen Blogserie habe ich den Beruf der Assistenz vorgestellt, erläutert, wie man als Assistent*in angestellt sein kann und warum die Unterschiede der Anstellung in Berlin gerade zu sehr viel Unmut führen. Viele Betroffene sind sehr wütend auf die Berliner Politik und fühlen sich ungerecht behandelt. Auch ich bin von der Situation betroffen. Was ich persönlich über die Situation denke, möchte ich euch gerne in dem dritten und letzten Teil der Blogserie schildern.

Ich finde diese Diskussion und die politischen Entwicklungen, die hier sichtbar werden, bilden den Stellenwert von behinderten Menschen in unserer Gesellschaft gut ab. Sie zeigen sehr deutlich, welche Interessen der Staat hat und welche Ziele er verfolgt. Menschen mit Behinderung sollen in vorgefertigte Strukturen gesteckt werden, sodass die Versorgung in erster Linie so wenig wie möglich kostet. Man hat keine Lust, sich mit den individuellen Belangen von Menschen mit Behinderungen auseinanderzusetzen und sich wirklich um diese zu kümmern.
Die skandalöse Nichtumsetzung von fachlichen Weisungen oder das Hinhalten von Betroffenen werden medial kaum aufgegriffen. Auch das spiegelt den sozio-politischen Stellenwert von Menschen mit Behinderung wieder.

Ich sehe, dass es hier um eine gute Summe Geld geht, die natürlich sinnvoll eingesetzt werden muss. Aber abgesehen davon, dass das Geld eingesetzt wird, damit vielen Menschen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht wird, werden zusätzlich noch Arbeitsplätze geschaffen. Das bedeutet unter anderem, dass der größte Teil des Geldes wieder in unser Sozialsystem fließt.

Ich lebe selbst mit einer 24-Stunden-Assistenz, die mir ermöglicht, ein selbstbestimmtes Leben in meiner eigenen Wohnung zu führen. Das bedeutet für mich Freiheit, die ich nicht missen möchte. Das Arbeitgebermodel, in dem ich meine Assistenz selbst anstelle, spielt für mich da eine große Rolle. Hier habe ich die Möglichkeit, den für meine Bedürfnisse nötigen Freiraum selbst festzulegen. Ich kann selber entscheiden, wie ich mit wem was mache. Das gibt mir Flexibilität, mich auf mein Leben abseits von meiner Behinderung zu konzentrieren.

Ich möchte nicht jeden Abend mit Zukunftsängsten einschlafen, weil meine Versorgung nicht gewährleistet werden kann. Genau das passiert jedoch durch den Lohnunterschied. Es gibt eh schon wenige Menschen, die den Job machen wollen. Diese werden aber von den großen Assistenzdiensten abgegriffen, weil es dort mehr Geld für die gleiche Arbeit gezahlt wird bzw. werden kann. Für mich macht das den Anschein, dass behinderte Menschen lieber in vorgesehene Strukturen geschoben werden sollen, da dies scheinbar einfacher für die Ämter ist.

Ich bin genau so Teil dieser Gesellschaft und möchte einem eigenen Beruf nachgehen, was ich ohne Assistenz nicht kann. Selbst wenn ich nicht arbeiten wollen würde oder aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten gehen kann, habe ich ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Das geht aber nur, wenn ich die Möglichkeit bekomme. Ohne Versorgung geht das nicht.

Es geht es hier um Menschen, die dieselben Chancen genießen sollen wie alle anderen. Es geht um Inklusion, die die Politik auf dem Papier fordert, aber mit diesen Entscheidungen nicht fördert.

Was haltet ihr von dieser Diskussion?

Viele Grüße

Linus

26 Jahre alt, Inklusionsaktivist

Moin, ich bin Linus. Schon seit einigen Jahren bin ich in unterschiedlichen Projekten aktiv und vertrete dort meine politische Meinung zu verschiedensten Themen. Der Schwerpunkt liegt hierbei aber oft bei Themen rund um das große Thema „Behinderung“, was ich durch meine eigene Ausgangslage mitbringe. Von Geburt an lebe ich nämlich selber mit einer körperlichen Einschränkung.

Linus / ehem. Redaktionsmitglied

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