TikTok-Schlachtfeld: Rechte erobern, Linke verlieren

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TikTok-Schlachtfeld: Rechte erobern, Linke verlieren

Social Media ist der neue Schauplatz politischer Kämpfe. TikTok, bekannt für lustige Tanzvideos und virale Trends, hat sich als unerwartet mächtige Plattform für politische Propaganda entpuppt. Besonders rechte Akteure, allen voran die AfD und ihre Jugendorganisation Junge Alternative (JA), spielen das TikTok-Game wie Profis. Doch warum funktioniert das so gut? Und warum fällt es anderen Parteien so schwer, mitzuhalten?

Wie die AfD TikTok rockt

Die AfD versteht es, TikTok auf ihre Weise zu „bespielen“. Ihre Videos sind provokant, emotional und folgen dem Prinzip: weniger Fakten, mehr Gefühle. Die Themen? Rechte und populistische Klassiker wie Migration, „Genderwahn“ oder Meinungsfreiheit – natürlich verpackt in simplen und zugespitzten Aussagen. Diese Inhalte polarisieren und sorgen für jede Menge Kommentare und Shares. Und genau das liebt der Algorithmus: Engagement is key.

Ein Beispiel: Ein Clip der Jungen Alternative, in dem die Bundesregierung wegen ihrer „Migrationspolitik“ angegriffen wird. Dazu knackige Aussagen wie „Wir wollen keine Flüchtlingsströme mehr“ – kurz, provokant und designed, um Wut oder Zustimmung zu triggern.

https://www.bild.de/regional/frankfurt/afd-expertin-warnt-so-werben-rechtsextreme-auf-tiktok-um-jungwaehler-665ed72888ee031d82811369?utm_source=chatgpt.com

https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/warum-die-afd-auf-tiktok-gerade-so-erfolgreich-ist-110311/

Die Videos sind oft technisch gut gemacht, nutzen virale Sounds oder Memes und wirken dadurch modern und ansprechend – zumindest für junge User:innen. Der Clou: Sie vermitteln das Gefühl, „endlich spricht jemand die Wahrheit aus“. Dabei werden Fakten oft verzerrt oder weggelassen.

Heidi Reichinnek: Sie denkt TikTok anders

Es gibt aber auch positive Beispiele, die zeigen, wie progressive Inhalte auf TikTok funktionieren können. Heidi Reichinnek, Bundestagsabgeordnete der Linken, hat auf der Plattform über 274.000 Follower:innen. Sie spricht dort über Themen wie soziale Gerechtigkeit, Feminismus und Antifaschismus – immer authentisch und ohne den erhobenen Zeigefinger.

In einem ihrer Videos geht es etwa um Solidarität und warum es so wichtig ist, gesellschaftlich zusammenzuhalten. Sie verknüpft ihre Botschaft mit einem aktuellen TikTok-Trend, nutzt humorvolle Clips und bleibt dabei immer glaubwürdig. Anders als viele andere Politiker:innen wirkt sie nicht wie jemand, der sich krampfhaft an TikTok heranwagt, sondern wie jemand, der die Plattform versteht.

Wir haben selbst bei Heidi nachgefragt, was sie beachtet. „Mir ist es wichtig, dass meine TikToks die Leute wirklich in ihren Bann ziehen, Spaß machen, interessieren, auch Emotionen hervorrufen“, sagt sie selbst. Und das ist ihr Erfolgsgeheimnis: Ihre Videos sind lustig, wecken Interesse und liefern trotzdem Fakten. So schafft sie es, junge Menschen mit progressiven Botschaften zu erreichen – etwas, das vielen anderen Politiker:innen schwerfällt.

https://www.nd-aktuell.de/artikel/1184397.online-aktivismus-linke-auf-tiktok-und-co-kurzvideos-gegen-nazis.html?utm_source=chatgpt.com

Warum rechte Inhalte so erfolgreich sind

Die AfD und die Junge Alternative setzen auf das Prinzip der Polarisierung. Das funktioniert, weil der TikTok-Algorithmus alles pusht, was Diskussionen auslöst. Je mehr Leute ein Video kommentieren – sei es mit Zustimmung oder Widerspruch – desto mehr Reichweite bekommt es. Rechte Inhalte profitieren davon, weil sie gezielt polarisieren.

https://www.tagesschau.de/investigativ/funk/afd-tiktok-101.html?utm_source=chatgpt.com

Auch TikTok Lives spielen hier eine große Rolle: In Livestreams wird direkt auf Zuschauer:innen-Kommentare eingegangen, was noch mehr Interaktion erzeugt. Die Diskussionen wirken spontan und nahbar, obwohl sie oft strategisch gelenkt werden, um rechte Narrative zu stärken. Diese Lives erzielen durch hohe Interaktionsraten enorme Reichweiten – und erreichen so oft auch Menschen, die mit rechter Politik oder Propaganda bisher nichts am Hut hatten.

Das Problem: TikTok bewertet Interaktionen, nicht Inhalte. Das bedeutet, selbst Videos mit hasserfüllten oder falschen Aussagen können viral gehen, wenn sie genug Aufmerksamkeit bekommen. Das gibt rechten Akteur:innen einen klaren Vorteil, weil sie keine Angst davor haben, die Grenze des Akzeptablen zu überschreiten.

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/deutschland/afd-tiktok-erfolg-strategie-jugendliche-100.html?utm_source=chatgpt.com

Die politische Linke, Solidarität und die Grenzen von Social Media

Trotz einzelner erfolgreicher Beispiele wie Heidi Reichinnek gelingt es der politischen Linken insgesamt noch nicht ausreichend, Menschen durch soziale Medien zu mobilisieren. Dabei geht es bei guter Politik um mehr als nur Reichweite oder Likes.

Am wichtigsten ist, dass Menschen Solidarität erfahren und sich ihre Lebensumstände deutlich verbessern statt immer prekärer zu werden. Gute Politik setzt das um, was die Menschen wirklich bewegt: ein gutes Leben in Sicherheit und Würde für alle.

Und: auch Verhältnisse, die ihnen das Gefühl geben, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die sich füreinander einsetzt. Hier liegt eine große Herausforderung für die politische Linke: Sie hat es bisher nicht geschafft, diesem Anspruch gerecht zu werden.

Social Media kann dabei ein Werkzeug sein, aber es ist kein Allheilmittel. TikTok und Co. sind Plattformen, auf denen Botschaften verbreitet werden können – sie ersetzen aber nicht das echte Engagement und die direkte Verbindung zu den Menschen. Emotionale Botschaften auf TikTok müssen mit glaubwürdiger Politik in der Realität verbunden werden.

Warum TikTok trotzdem nicht ignoriert werden darf

TikTok ist mehr als eine Plattform für Tänze – es ist ein politisches Schlachtfeld. Wer dort nicht präsent ist, überlässt jungen Menschen rechten Narrativen. Die politische Linke hat die Chance, mit kreativen, emotionalen und solidarischen Botschaften gegenzuhalten. Es reicht aber nicht, nur Likes zu sammeln – gute Politik muss Menschen bewegen, online und offline.

20 Jahre alt

Hey, ich bin Louis aus Hannover Langenhagen. Ich bin 18 Jahre alt und gehe noch zur Schule. Politisiert wurde ich durch die sozialen Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaft. Deshalb setze ich mich besonders für queere Rechte, Feminismus und Chancengleichheit ein. Ich freue mich, bei jung genug über Themen zu berichten, die die Jugend bewegen!

Louis / ehem. Redaktionsmitglied

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